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Straßenraub auf der Höhe bei Neunkirchen

18. August 1805

Neunkircher Höhe
Die Thäter sind :
Jokob Erbeldinger
Georg Dascher
Überrheiner Hann-Adam

Die Beraubten sind die Juden Meier Moses von Trebur und Anschel Meyer von Griesheim. Nach deren eidlichen Aussagen und den Bekenntnissen Erbeldingers ist der Verhalt folgender gewesen: Beide Beraubte nebst dem Juden Löw, sodann Moses Feist und Feist Moses von Trebur waren Sonntags am 18ten August 1805 auf der Reise nach Beerfelden auf den dasigen Markt begriffen. Es war Morgens 9 Uhr, als sie auf der gewöhnlichen Strasse zwischen Neunkirchen und Laudenau sich befanden: die drei letztere Juden gingen den beiden ersteren, welche zu Pferde saßen, etwa 300 Schritte voaraus. Die Fußgänger hatten die Reitenden in einer Tiefe, durch welche die Straße führt, aus dem Gesicht verloren, als diese an einer Waldecke von den drei Räubern, welche mit großen Messern in der Hand an dem Weg postiert waren, angefallen und von den Pferden herunter gerissen wurden. Von dem Pferd des Anschel Meiers schnitt Tascher zwei in einem Achselsäckchen dermßen aufgebundenen gewesene Gurten, daß auf jeder Seite eine derselben hing, los. Meier Moses wurde von dem Überrheiner Hann-Adam auf die Erde gelegt, ihm ein Messer an den Hals gesetzt und eine um den Leib getragene Gurte von Tascher losgeschnitten. Er wurde sodann visitirt, ihm die Hosen heruntergezogen und da die Räuber hierbei die aus dem Sack getragene Uhrkette wahrnahmen, so fasste der Überrheiner Hann-Adam solche; Meier Moses hielt aber die Uhr in der Hand fest, der Räuber schlug ihm indeß auf die Hand, daß er dieselbe fahren lassen musste, worauf jener die Uhr zu sich steckte, die losgerissen gewesenhe Kette aber auf dem Platz zurücklies.

Neunkirchen

Die Beraubten nahmen während ihrer Beraubung Menschen in der Nähe war, die Vieh hüteten, und schrieen deshalb, obgleich die Räuber ihnen den Mund zuhielten, um Hülfe, allein vergeblich. Erbeldinger drohte ihnen mit Hals-Abschneiden, wenn sie fortschrien. Die Beraubten setzten indeß das Geschrei dennoch fort und die Räuber wurden dadurch bestimmt, sich fort zu machen, indem sie noch von dem Geld, welches bei dem Zerschneiden der Gurte, welche Meier Moses um den Leib trug, auf die Erde gefallen war, 22 fl. liegen liesen. Ein Säckchen mit 45 Carolin, welches dieser Jude noch bei sich trug, fanden die Räuber nicht. Außer dem in den Gurten befindlich gewesenen Geld wurde dem Anschel Meier ein mit Messing beschlagener hölzener sogenannter Ulmer Pfeifenopf samt Pfeifenrohr von Horn abgenommen. Jeder vn den Räubern trug eine der Gurten vom Platz. Sie zogen sich in die Waldungen und theilten den Raub ohngefähr eine Stunde von dem Ort des verübten Verbrechens. Nach Erbeldingers Angabe trug es ihm zu seinem Antheil etwa 216 fl. Er fing damit einen Handel mit kurzen Waren an und kaufte dazu von dem Johann Adam Heusner ein Pferd und Karrn.

Von dem Tascher war auch einer von den Conrads-Buben zu dem Straßenraub bestellt gewesen; da solcher inzwischen nicht dazu genommen wurde, so rächte er sich dadurch, daß er dem Überrheiner Hann-Adam seinen Krämerkasten in seiner Herberge zu Rimbach holte.

Nach der eidlichen Aussage der Beraubten betrug das geraubte Geld, welches sich in den beiden Gurten befand, welche vom Pferd abgeschnitten wurden, 600 fl; in der Gurte des Meier Moses aber befanden sich 25 Carolin. Der Wert der Uhr, welche eine silberne war, ist zu drei Kronenthaler, un der des Pfeifenkopfs zu 45 kr angegeben.

Das Gerücht nannte gleich nach der That den Tascher und Erbeldinger als Theilnehmer an diesem Raub; es geschah indeß gegen solche gar nichts, auch nicht einmal, nachdem sie wieder nach Steinau und Billings zurückgekehrt waren, von wo sie zur Zeit des Raubes wegen Diebstahls sub No. 15 flüchtig gingen.




Quellen:
[1] BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 367 Nr. 5 (Erbeldinger)
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