Johannes Bauer

vulgo Schefflenzer Bub

Oberschefflenz

Er ist 20 Jahre alt [geboren 1791] und zu Oberschefflenz bei Mosbach begürtig. Sein Vater war angeblich ein Pfälzischer Soldat und so wie seine Mutter ohne Vermögen. Nach dem Tode seines Vaters zog er mit seiner Mutter umher, und später setzte er dieses Leben als Bettler allein fort. Er arbeitete von Zeit zu Zeit bei Schiffleuten und BAuern, kehrte aber bald wieder zu seiner gewohnten Lebensweise zurück. Auf seinen Kreuz- und Querzügen als Betteljunge, wurde er mit falschen Spielern bekannt, und zwar mit solchen, welche mit sogenannten Waarenlotterien die Märkte besuche. Diese fanden an ihm einen offenen Kopf und nicht gewöhnliche Beredsamkeit und warben ihn deswegen als Fallenmacher an, das heißt, er wurde der Lockvogel und die Falle für Andere, die betrogen werden sollten...
Diese Lebensgattung mußte ihn mit den in die Märkte auch besuchenden Gaunern zusammenbringen und s wurde er denn endlich Dieb und Räuber. Er besitzt, wie schon gesagt, viele Beredsamkeit, welche er, wie so mancher Redner, sehr gerne offeriert. Er hat aber die Untugend an sich, daß er sich auf Unkosten Anderer beliebt zu machen sucht, und wenn er keine Wahrheiten anzugeben weiß, Lügen ersinnt und als wahre Beschuldigungen vorbringt. So hatte er sich in einem früheren Arreste brauchen lassen, die anderen Gefangenen, zu welchen man ihn geflissentlich gesetzt hatte, auszulocken und sie dann zu verraten; er rühmte sich selbst, daß er manche Lüge unter seine Angaben gemischt und dadurch jenen gar manchen Buckel voll Schläge prcuriert habe. Er ist im Übrigen von schöner Gesichtsbildung.[1]

Johannes Bauer
Signalelement

Ein Mitglied der Räuberbanden an den Ufern des Mains. Er befand sich im Jahr 1811 mit einer Anzahl seiner Genossen in Heidelberg in Untersuchung und wurde im April 1812 zu 42jähriger 1½monatlichen Zuchthausstrafe und «mit Aufbrennung des Zuchthauszeichens auf den Rücken gleich beim Anfang der Strafzeit und mit steter Anlegung von Fesseln während der ganzen Dauer derselben» verurtheilt. [2]

Johannes Bauer war von Aschaffenburg nach Heidelberg geliefert worden. Die Untersuchungen gegen ihn waren umso leichter und schneller beendet, weil Bauer schon in Aschaffenburg frühere Vergehen, wegen welcher er zu Haften gekommen war, eingestanden hatte und in Heidelberg nicht zögerte, auch das, was gegen ihn angezeigt war, einzubekennen. [2]


Straßenräubereien

1. Beraubung des Handelsmann Schlink von Bensheim No. II
2. Beraubung der Bauernwagen bei Frankfurt No. III
3. Beraubung eines Sattlergesellen No. CXX
4. Beraubung eines Waldaschaffer Bauern No. CXXI

Einbrüche und Diebstähle

1. Dürrfleischdiebstahl unweit des Bastelhofes No. CXXII
2. Schafdiebstahl zu Lohrbach No. CXXIII




Quellen:
[1] PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald, enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Heidelberg, 1811, Seite 55, Nr. 8
[2] SCHWENKEN, C.P.T.: Aktenmäßige Nachrichten von dem Gauner- und Vagabundengesindel, Cassel 1821
[3] PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald, enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Heidelberg, 1811, Seite 43