Johann Jakob Erbeldinger
vulgo Mordbrenner
Jakob Erbeldinger war 40 Jahre alt, katholisch, verheiratet
und Vater von sieben Kindern. Er war in Dudenhofen im Elsaß
geboren. Im Odenwald führte er den Namen "Mordbrenner", weil
er die "Einwohner gewöhnlich durch die Drohung, daß er
ihnen den roten Hahn aufs Dach setzen wolle (Feuer legen),
abzuschrecken versuchte, gegen ihn als Angeber aufzutreten.
"In seiner Jugend wurde er zwar zur Schule und Kirche
angehalten, lernte aber nicht so viel, daß er lesen und
schreiben konnte. Die Armut seines Vaters zwang ihn schon in
früher Jugend, bei einem Bauern Geld zu verdienen."
Mit 19 Jahren meldete er sich zum Militär, desertierte
nach sechs Jahren und ließ sich in Billings im Odenwald
nieder, - "Er schaffte auf Tagelohn und ernährte sich von
Birken-Ruthen, die er zum Verkauf herumtrug."
In Billings kam er bald in den Verdacht, an Diebstählen und
Straßenräubereien beteiligt gewesen zu sein.
Nachgewiesen werdern konnte ihm allerdings nichts. Heusner und
Grasmann lernte er durch Tascher kennen, der ihn eines Tages
aufsuchte und mit zu den "beiden aufs Feld nahm, um von ihnen
Kuchen zu kaufen, die sie gestohlen hatten." Im Sommer 1809
verübte er mit dem ebenfalls angeklagten Georo Tascher und
zwei weiteren Komplicen mit Namen Sebastian Werner und Lorenz
Müller einen Einbruch auf der Hippelsbach im Amte
Lichtenberg.
In jener Nacht lagerten sie unweit des Tatortes an einem Brunnen. Nachdem Werner das ausersehene Haus beobachtet und festgestellt hatte, daß die Bewohner schliefen, lief er zum Brunnen zurück, worauf sich sämtliche Mitglieder der Bande in das Dorf begaben. "Werner stieg hier auf einer von ihm herbeigeholten Leiter an dem Hause in die Höhe, brach oben an dem Giebel desselben ein Gefach heraus, durch welches er und nach ihm auch Tascher auf den Boden des Hauses einstiegen und Dörrfleisch, Weißmehl und Gejäms entwendeten, während Erbeldinger und Müller unten auf der Erde blieben, wo sie zur Vermeidung allen Geräusches von dem Ausbrechen des Gefachs herabgefallenen Schutt in einem Sacke aufgehalten hatten." Der Wert der gestohlenen Waren betrug etwa 100 Gulden.
Von den weiteren Diebstählen Erbeldingers sei nur noch erwähnt, daß er 7 Jahre zuvor in Groß-Bieberau mit Tascher in die Küche des Branntweinbrenners Tarrier eingedrungen war und ein "Stück Leinwand" gestohlen hatte.
A. Verhaftete Räuber XI. Zu Darmstadt
40. Jakob Erbeldinger aus Billings
Straßenräubereien:
1. Beraubung der Tuchmacher bei Großreichholzheim. No. CXXVIII.
Brill:
5. Straßenraub auf der Höhe bei Neunkirchen
PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße ; nebst e. Sammlung u. Verdollmetschung mehrerer Wörter aus d. Jenischen oder Gauner-Sprache / von Pfister. - Heidelberg, bei Gottlieb Braun, 1812.
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