Johann Adam Grasmann

vulgo Langel Samel, Großer Hann-Adam

Johann Adam Grasmann

Grasmann wurde am 20. Mai 1765 auf der Bruchmühle bei Etzen-Gesäß geboren. Sein Vater, Johannes Grasmann ernärte sich teils mit Korbmachen, Taelöhnerarbeit, Fruchthüten und zuweilen auch als Viehhirte. Eine Schwester Grasmanns war mit dem "Mit-Inquisiten" Heusner, der ebenfalls hingerichtet wurde, verheiratet. Grasmanns Frau war 13 Jahre zuvor gestorben. Grasmann ernährte sich als Korbmacher, Fruchthüter und Viehhirte, zuletzt in der Gemeinde Hetzbach. Nach seinen Angaben wurde er damals von einem Einwohner verleitet, "Spelz zu strippen". Spelz ist eine Weizenart, die früher in unserer Gegend weit verbreitet war und ein sehr weißes Mehl ergab. Johann Adam Grasmann hatte - nach seinen eigenen Angaben vor Gericht - nur zwei Schürzen voll gestohlen, wurde erwischt, eingesperrt, konnte aber fliehen. "Er hatte damals eine Geise (Ziege), schöne Kleider und etwas Kartoffel im Feld. Alles dies wurde in Beschlag genommen. Die Nacht kehrte Grasmann wieder in seine Wohnung zurück und erfuhr da von seiner Frau, daß die Centknechte seine Kleidung und die Geise mitgenommen hätten, die Kartoffel aber verkauft werden sollten, sie habe auch schwören müssen, daß sie von seinem Besitze nicht verbringen lassen wolle. Dies bestimmte den Grasmann, sein Bett aufzupacken und sich damit fortzumachen, seiner Frau aber die Erklärung zu geben, daß, wenn es wegen des Spelzes Weitläufigkeiten gäbe, er nicht wieder zurück und sie zu ihm kommen solle. Inzwischen wurde seine wenige Habe gerichtlich verkauft. Seine Frau erhielt davon 30 Kreuzer, und mit dieser Habe in der Hand kam sie zu ihm. Von nun an zog Grasmann ohne festen Wohnsitz umher und wurde Dieb und Mörder."

Der Odenwald wurde sein Revier. Als "Großer Samel", "Langer "Langer Samel" oder "Großer Hann-Adam" war er allgemein bekannt. Unter diesen Namen war er, "wie er selbst angibt, allgemein bei den Leuten im Odenwald so gefürchtet, daß kein Bauer mehr nach eingebrochener Nacht sich in den Hof getraute, sobald es hieß, der Große Samel ist in der Gegend. Zum Deckmantel seines Raubes- und Diebeslebens handelte Grasmann mit Zunder und porzellanenem Geschirr; eine Zeitlang führte er auch einen Kastenkram." Grasmanns schwerstes Verbrechen war ein Straßenraub im Ronneburger Wald in Oberhessen und die dabei "erfolgte Tödtung eines Fuhrmannes". Gemeinsam mit dem Komplicen Christian Haag, genannt der "Dicke Bub", den beiden mitangeklagten Martin Rupprecht und Johann Adam Heusner sowie dessen Bruder Stephan überfiel er am 2. Februar 1809 im Ronneburger Wald den Wagen eines Porzellanhändlers, dessen Knecht auf dem Wege nach Büdingen war. Wegen der schlechten Wegeverhältnisse hatte der Knecht einen Bauern beauftragt, mit zwei Pferden Vorspann zu leisten. Der von vier Pferden gezogene Wagen wurden von den Räubern angehalten. Der "Dicke Bub" schlug den Bauern des Vorspanns mit einem mit Blei gefüllten Stocke nieder. "Der Geschlagene raffte sich von diesem Schlage auf, erhielt aber von Grasmann noch einige Schläge und stürzte darauf ganz zusammen und blieb zwischen den Pferden liegen."

Martin Rupprecht und Stephan Heusner schlugen, letzterer mit einem Stahlstock, auf den Knecht ein. "Auf sein Lamentieren, daß er Frau und Kinder habe und seine Erklärung, daß sie sich in ihm irrten, indem er nur Glas fahre, gebot Johann Adam Heusner durch Zurufen den anderen Einheit. Dieser nahm die Pferde und fuhr den Wagen von der Straße ab in den Wald, während dabei ihm der Dicke Bub leuchtete mit einer Strohfackel. Dann wurde der Knecht an das Wagenrad gebunden." Johann Adam Heusner aber kehrte zu dem geschlagenen Fuhrmann zurück und schleppte ihn an einen Eichenbaum, an welchen er ihn setzte. Er konnte aber nicht mehr sprechen, röchelte und atmete sehr stark. Heusner wusch ihn mit einenm "bei sich gehabten Brandewein". Der Fuhrmann aber blutete so stark, daß Heusner sein, beim Abwaschen gebrauchtes, Taschentuch nicht mehr gebrauchen konnte und es wegwarf.

"Heusner fühlte dabei nach seiner eigenen Versicherung, daß oben in dem Hirnschädel ein Loch und solcher ganz eingeschlagen war. Nachdem J.A. Heusner zu dem Wagen zurückgekehrt war, wurde der Knecht von dem Rade losgebundenen Händen und Füßen gefesselt, auf die Erde gelegt und mit von dem Wagen genommenen Tüchern zugedeckt, um dadurch zu verhindern, die Räuber zu erkennen. Nun wurden die auf dem Wagen gepackten Kisten heruntergeworfen, aufgeschlagen und das darin befindliche Glaswerk, bestehend aus Tafelglas und Trinkgläsern, zertrümmert. Die Räuber trugen nichts davon als einiges Werkzeug von einem Glasschleifer,das sie in einem Kästchen fanden und zum Teil für Silber hielten. Schließlich wurde der Knecht wieder losgebunden. Der verwundete Bauer wurde auf den Wagen gelegt, mit Packtüchern zugedeckt und der Knecht angewiesen, nach Mittelgründau, woher sie gekommen, zurückzufahren. - Am Morgen darauf starb der Fuhrmann." Soweit der zeitgenössische Bericht des Peinlichen Richters Brill.

Grasmann nahm nach eigenem Geständnis an 16 Straßenräubereien und an mehr als hundert Einbrüchen teil. Greifen wir noch zwei Anklagepunkte dem Wortlaut nach heraus:

87) Diebstahl zu Eberbach bei Reichelsheim
Vor 5 bis 6 Jahren im Herbst stahlen Johann Adam Grasmann und Stephan Heusner zu Eberbach bei Reichelsheim verschiedene Bettung.Der Diebstahl wurde bei Nacht,aber ohne beschwerende Umstände verübt,indem die Diebe ein Schubfenster von außen öffneten,und das vor demselben gestandene Bett durch solches herausholten. 89) Schafdiebstahl zwischen Umstadt und Dieburg
Teilnehmer an diesem Diebstahl waren: Johann Adam Grasmann, der Dicke Bub und, wie ersterer glaubt,Stephan Heusner. Sie stahlen ein Schaf aus dem Pferch, das sie auf der Stelle schlachteten.

Nachweisungen

A. Verhaftete Räuber XI. Zu Darmstadt

38. Johann Adam Graßmann vulgo Langer Samel

Straßenräubereien:

1. Beraubung der Schrießheimer Juden No. XCVIII.
2. Straßenraub zwischen Düdelsheim und Hainchen. No. CXXXIX.
3. Straßenraub bei Steinau. No. CV
4. Beraubung eines Glaswagens und Todschlag des Fuhrmanns bei Mittelgründ im Walde. No. XCVII.

Einbrüche und Diebstähle

1. Einbruch zu Grumbach No. XXXIII.
2. Einbruch auf der Thomashütte bei Eppertshausen No. CXI.


PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße ; nebst e. Sammlung u. Verdollmetschung mehrerer Wörter aus d. Jenischen oder Gauner-Sprache / von Pfister. - Heidelberg, bei Gottlieb Braun, 1812.