Johann Adam Heusner

vulgo Roter oder Dicker Hann-Adam

Johann Adam Heusner

Der am 8. Mai 1779 in Mümling-Grumbach (Odenwald) als Sohn eines Taglöhners und Hirten ohne festen Wohnsitz geborene Johann Adam Heusner, war bis zu seinem 21. Lebensjahr zeitweise als Knecht unter anderem auch im Spessart tätig. Von seinem Onkel mütterlicherseits, Johann Adam Grasmann wurde er zu ersten Diebstählen verleitet und mit professionellen Gaunern bekanntgemacht. Als Räuber und Dieb betätigte er sich um die Wende 18. zum 19. Jahrhundert in der Bande des Schinderhannes im Rheingebiet und wurde dann unter anderem in badischen, hessischen und kurmainzi-schen Regionen aktiv. In den dortigen Gaunergesellschaften spielte er eine führende Rolle. 1810 wurde er verhaftet und am 5. November 1814 in Darmstadt enthauptet.

Johann Adam Heusner war der rücksichtsloseste der Räuber. Er war verheiratet und Vater eines elf Jahre alten Mädchens. Sein Vater hielt sich ohne festen Wohnsitz als Hirte, Taglöhner und Korbmacher im vorderen Odenwald auf. Heusner hatte noch drei Geschwister. Die Schwester war an einen herumziehenden Krämer verheiratet. Sein Bruder Stephan, der an dem Überfall im Ronneburger Wald beteiligt gewesen war, wurde später verhaftet und hat sich im Gefägnis zu Heidelberg erhängt. Der andere Bruder war mit der Mutter verhaftete worden und im Stockhaus (Gefängnis)zu Darmstadt an "Lungensucht" gestorben. Johann Adam Heusner, bekannt als "Roter Hann-Adam", arbeitete in seiner Jugend als Knecht. Als er eines Tages in der Nähe von Klingenberg mit "Zackern" (Pflügen) beschäftigt war, erschien auf dem Acker seiner Mutter Bruder und Pate Grasmann und "schilderte ihm sein Zustand in einem möglichst gehässigen Licht und zeigte ihm dagegen, wieviel besser er es haben würde, wenn er mit gehe." Der Einundzwanzigjährige ging mit. Zunächst stahl er seinem Bauern noch einen Kissenbezug, in welchen er seine "Effekten packte". Anfänglich stahlen sie nur Kleinigkeiten.

"Im ersten Sommer stahlen sie unter anderem in Breitenbrunn ein oder zwei Stück Tuch, das von dem Eigentümer auf der Bleiche liegengelassen worden war. Einmal mußte Heusner zu Oberkinzig einen Sack Spelz fort- und bis nach Ober-Laudenbach tragen, wo Grasmann die Fracht samt dem Sack an den dortigen Müller verkaufte."

Heusner aber blieb nicht für längere Zeit Grasmanns Komplice. Er heiratete, wurde zeitweilig ansässig, arbeitete als Korbmacher oder brach im Winter Tannäpfel. Seine Räuberlaufbahn begann erst richtig, als er einen gewissen Meinhard, einen Hauptgenossen des berüchtigten Schinderhannes, kennenlernte. "Dieser Meinhard ging wie ein Schornsteinfeger, die Leiter auf der Achse, des Nachts in den Ortschaften herum und stieg in ein Haus nach dem anderen, bis er etwas fand, was der Mühe wert war, mitzunehmen und wurde sein Lehrmeister. Selten war Heusner ohne Pistolen bei sich. Er stand bei seinen Genossen in hohem Ansehen, erkannte keinen über sich, sondern war bei Hauptunternehmungen stets der Anführer." Mit seinem Bruder Stephan und drei anderen Räubern - genannt Kleiner Jörg, Wurzel Jörg und Kleiner Johann - überfiel er in der Nacht vom 11. auf den 12. Januar 1807 den Schultheißen Geiger in dem Dörfchen Geislitz bei Gelnhausen. Die Beute betrug für jeden etwa 24 Gulden. Der Überfall ereignete sich wie geschildert:

Nachts zwischen 11 und 12 Uhr machten sich die Räuber mit Stricken zum Binden, Stöcken und Wachslichtern versehen von da auf, an das Haus des Beraubten, dessen Hund von dem bemerkten Einwohner oder dessen Sohn mit Krähenaugen vergiftet worden war. Heusner brach an der hinteren in die Küche führenden Thüre mit einem bei sich gehabten Meißel eine Öffnung, durch welche er die inneren Riegel an der Thür zurückschob und nach der Angabe des Beraubten einen quer über die Thüre hergelaufenen starken Prügel wegräumte, und so diese öffnete. In der Küche wurde der Hachsstock angezündet, und die aus derselben auf den Hausgang führende Thür von Heusner dadurch geöffnet,daß er mit einem Messer zwischen der Thüre und dem Thürpfosten durchfuhr und den außen befindlichen Kloben aufhob. Von dem Hausgang her stürmten nun die Räuber mit Gewalt in die Stube. Durch das Getöse aus dem Schlaf geweckt, sah Schultheiß Geiger vier der Räuber mit dem brennenden Hachsstock plötzlich vor sich stehen. Heusner und dessen Bruder besetzten zugleich von beiden Seiten das Bett, worin Geiger mit seiner Frau lagen, der kleine Jörg aber drang in die Kammer an das Bett, worin die Kinder des Beraubten schliefen. Johann Adam Heusner forderte den Geiger auf, still zu seyn und das Geld herzugeben; Geiger befolgte das erstere nicht, und erhielt deshalb von Heusner ein paar Schläge mit der Hand, da er aber auch hierauf nicht still und ruhig wurde, so setzte ihm Heusner, nach seiner Angabe, den Meißel, den er quer im Mund hatte, mit der Drohung auf die Brust: sey still oder ich stech dich todt! Die Frau des Schultheißen erhielt von Stephan Heusner einen Schlag mit einem Stock über das Auge,so daB sie davon betäubt wurde, und als sie sich wieder erholt hatte, mit einer Axt, welche Johann Adarr, Heusner von dem Hausgang mitgenommen hatte, einen Schlag auf den Kopf, daß sie für todt liegen blieb. Der in der Kammer gelegene 15jährige Sohn des Beraubten, der aus dem Bette aufgesprungen war, empfing von dem kleinen Jörg mit einem unten beschlagenen Stachelstock einen Schlag mit solcher Heftigkeit auf den Kopf, daß der Stock zersprang, das Blut aber an der Stubendecke wieder sprützte. Das Amt Altenhaslau fand diese beiden Misshandelten, als es sich auf die ihm gemachte Anzeige noch in der nehmlichen Nacht nach Geislitz begab, die in ihrem Blute schwimmend."


Nachweisungen
Straßenräubereien:

1. Raub an Juden auf den hundert Morgen No. XCIX.
2. Straßenraub bei Hauswurz. No. LXIII.
3. Beraubung eines Glaswagens und Todschlag des Fuhrmanns bei Mittelgründ im Walde. No. XCVII.
4. Beraubung der Schrießheimer Juden. No.XCVIII.
5. Straßenraub zwischen Altenhaßlau und Höchst an Ochsentreibern. No. CIII.
6. Straßenraub bei Usenborn. No. CIV.
3. Straßenraub bei Steinau. No. CV

Einbrüche und Diebstähle

1. gewaltsamer Einbruch bei Gelnhausen No. CVII.
2. Gewaltsamer Einbruch im Fuldischen hinter Weihers auf der Aumühle No. CVIII.
3. Diebstahl zu Aglasterhausen. No. CXXXI.


PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße ; nebst e. Sammlung u. Verdollmetschung mehrerer Wörter aus d. Jenischen oder Gauner-Sprache / von Pfister. - Heidelberg, bei Gottlieb Braun, 1812.