Johann Heinrich Ritter

vulgo Hennerle, kleiner Heinrich, Kleiner Feldschersjunge, Heinrich mit der Geige

Landenhausen

Er wurde als Sohn eines Vagabunden in Landenhausen [heute OT der Gemeinde Wartenberg] geboren. Im 8. Lebensjahr verlor er seinen Vater. Seit dieser Zeit besuchte er keine Schule mehr und entlief seiner Mutter. Im Winter spielte er in den Häusern reicher Bauern die Geige. Schon vor seinem 15. Lebensjahr verband er sich mit der 40jährigen Gaunerin Gänse-Grith. Lange hielt diese Verbindung jedoch nicht. Bald machte eine andere Gaunerin, Anna Margaretha Müller, Jagd auf ihn. Sie wurde seine Hauptlehrerin in den Diebeskünsten. 1808 wurde er nach einem Tuchdiebstahl von der Fuldaer Regierung zur Strafe mit Ruten gestrichen und des Landes verwiesen. Nach erneuten Diebereien im Vogelsberg zog er in die Wetterau. Hier beging er seine letzten und bedeutendsten Verbrechen. 1810 wurde er unter falschem Namen in das Gießener Untersuchungsgefängnis gebracht. Bald war er entlarvt und gestand 32 Diebstähle ein. Im Jahre 1812 wurde er zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. [1]


Ritter
Signalelement

Auch Kleiner Feldschersjunge oder Heinrich mit der Geige genannt, angeblich zu Landenhausen (Großherzogtum Hessen) geboren. Er ist 28 Jahre alt [*1793], 5 Fuß 3 Zoll 1 Strich groß, von schmaler Statur, hat dunkelbraune Haare und Augenbrauen, ziemlich große aber erloschene hellgraue Augen, eine längliche spitze, etwas gebogene Nase, kleinen Mund mit starken Lippen, schmales Kinn, längliches, krankes Gesicht. An der rechten Hand bei dem kleinen Finger hat er eine Hiebnarbe.
Er ist ein Stiefbruder von Jihann Adam Frank, dessen Mutter, Anne Marie vulgo Dorte, ihn mit einem herumziehenden Feldscheer, namens Wilhelm Ritter, erzeugt hat. Beischläferinnen von ihm waren die so genannte Gänse-Grith, Anne Margarethe Müller oder Germeroth und die Anne Margarethe Deilhard.

Er wurde bereits im Jahr 1808 zu Großenlüder (Fulda) des Landes verwiesen, aber schon im Herbst 1809 von neuem verhaftet und nach Fulda gebracht, wo er jedoch im Frühjahr des folgenden Jahres ausbrach. Im Dezember 1810 geriet er abermals, unter dem Namen Glitsch, in der Wetterau in Verhaft, wurde nach Gießen ausgeliefert und daselbst im September 1812 zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt. [2]




Quellen:
[1] NEEB, REINHOLD: Räuber, Gauner und Vagabunden. Kriminalität im alten Oberhessen, Gießen, Brühlscher Verlag. 1987, 1. Aufl.
[2] SCHWENCKEN, KARL PHILIPP: Aktenmässige Nachrichten von dem Gauner- und Vagabundengesindel. Sowie von einzelnen professionierten Dieben, in den Ländern zwischen dem Rhein und der Elbe, nebst genauerer Beschreibung ihrer Person Original gedruckt in der Hampeschen Buchdruckerey, Cassel, 1822