Johann Adam Wehner (Treber)

vulgo Lauk, Schnallenmacher oder Kleiner Johann

Wehner

Johann Adam Treber alias Wehner oder Kleiner Johann, eingestuft als "höchstgefährlicher, weitumherstreifender Räuber". Er wurde um 1775 als unehelicher Sohn in Schwärzelbach bei Hammelburg geboren. Der Vater war Schäfer und somit Angehöriger der Unterschicht. Er verließ die Familie und die Mutter zog mit dem wenige Wochen alten Hannadam nach Heigenbrücken in den Spessart. Dort versuchte sie, sich und das Kind mit Stricken und andern gröbern weiblichen Arbeiten durchzubringen. Sie heiratete den Heigenbrückener Hirten Gehret Lenz, mit dem sie dann noch zwei weitere Kinder hatte. Nach Lenz´ Tod betrieb die Familie Gänse-, Ziegen- und Schafzucht und arbeitete zusätzlich im Taglohn. Trotz der knappen wirtschaftlichen Verhältnisse erhielt Wehner Schulunterricht und nach eigener Aussage, eine ordentliche Erziehung durch seine Mutter. Später versuchte er, das Einkommen durch Hausieren mit Kurzwaren in der Gegend von Aschaffenburg aufzubessern. Um 1795 zog er mit seiner Beischläferin Maria Magdalena Borgerin ins Hohenlohische, wo er neben seinem Kurzwarenhandel auch Körbe herstellte und Irdenware verkaufte. Mittlerweile zweifacher Familienvater, sah er sich nun bereits gezwungen, gelegentlich mit kleinen Felddiebereien die Versorgung sicherzustellen. Auf seinen ausgedehnten Geschäftsreisen, die ihn auch wieder in die Aschaffenburger Gegend führte, kam er mit umherschweifenden professionellen Kriminellen in Kontakt.

Er war vor allem mit dem etwa drei Jahre jüngeren Erzgauner Johann Adam Heußner immer öfter zusammen. Ein unbedeutender Diebstahl an einem Hausierer im Kahlgrund brachte den verdächtigten Wehner, dessen Tatbeteiligung immer zweifelhaft blieb, 1802 in Aschaffenburger Haft, von wo aus er an das kaiserl. Oesterreichische Militär abgegeben wurde. Er desertierte noch 1802 im bömischen Komotau und kehrte in den Spessart zurück, wo er wieder mit Heußner zusammentraf. Sein Krämerkasten und selbst die Zivilmontur waren ihm von den Aschaffenburger Ordnungshüter zur Begleichung der Haftkosten abgenommen worden, so daß er, obrigkeitlicherseits jeder Einkommensquelle beraubt, für die verführerischen Reden des J.A. Heußner´s zunehmend empfänglich wurde.

Die folgenden Jahre waren geprägt von einer kriminellen Karriere, immer wieder unterbrochen durch Haft und Ausbruch. Der Spessart blieb Arbeitsbereich. So war Wehner in den Jahren zwischen 1807 und 1810 am gewaltsamen Einbruch in Geislitz, an den Straßenüberfällen zwischen Altengronau und Steinau, bei Altenhaßlau, Rohrbrunn, Bieber und Gelnhausen sowie kleineren Einbrüchen und Diebstählen beteiligt. Im Spessart endete auch sein zerfahrenes Gaunerdasein. 1813 wurde er bei Jakobsthal verhaftet, nach Aschaffenburg geliefert und dort wahrscheinlich 1815 hingerichtet. Den Kleinen Johann aber als Spessarträuber zu vereinnahmen, greift angesichts seines weiten Aktionsradiusses allerdings zu kurz. Ebensowenig ein originaler Spessarträuber war der Polens-gänger Michel, Michael Borgener, als Sohn eines ohne festen Wohnsitz umherstreifenden Bettlers aus Büdingen und seiner Beischläferin wurde er zwischen 1777 und 1779 in Flörsbach geboren. Als Korbmacher, Musikant und Keramikhändler zog er gleichfalls unstet umher, ohne sich auf den Spessart zu beschränken. Immer schon hatte er engste Berührung mit dem kriminellen Milieu, so daß der Schritt zum Dieb sehr klein war, zumal seine drei Schwestern intime Beziehungen zu Gaunern pflegten. Er wurde offenbar nur als Dieb aktiv, vornehmlich im Nordspessart. Eine Beteiligung an Räubereien konnten ihm die Kriminalisten nicht nachweisen. Keine biographischen Details sind von Johannes Knaut, aus Weibersbrunn, vulgo Eselskinnbacken bekannt. Im Spessart betätigte er sich nur gelegentlich als Dieb; 1808 war er an einem versuchten Straßenraub bei Oberndorf beteiligt. Seine Hauptverbrechen verübte er außerhalb des Spessarts mit dem Überfall auf die Aumühle 1808 im Fuldischen.


Nachweisungen
Straßenräubereien:

1. Straßenraub beim Bastelshof No. IV.
2. Beraubung des Fuhrmannskarren auf der Herberge No. XI.
3. Raub bei Aschaffenburg auf der Spessarter Strasse No. XII.
4. Straßenraub bei Heubach. No. XVIII.
5. Straßenraub an einem Fußgänger bei Gelnhausen No. XIX.
6. Beraubung der Schrießheimer Juden No. XCVIII.
7. Straßenraub bei Hanau No. LXXI.
8. Beraubung eines Gutwagens bei Okarben No. LXXXIII.
9. Straßenraub bei Hauswurz No. LXIII.
10. Straßenraub bei Bieber No. LXXXIX.
11. Nach Fasc. W.W.W. Straßenraub im Altenkronauer Walde.
12. Straßenraub zwischen Düdelsheim und Hainchen. No. CXXXIX.
13. Beraubung zweier Juden im Walde bei Hainichen No. CXL.
14. Straßenraub bei Steinau. No. CV
15. Attentierter Raub bei Wimmersbach No. CXIV.
16. Nach Volumen Actorum IV. pag. 142 - Die Beraubung der Ochsentreiber im Fuldischen

Einbrüche und Diebstähle

1. Einbruch zu Neukirchen No. VII.
2. Dürrfleischdiebstahl zu Igelsbach No. C
3. Einbruch bei einer Frau ohnweit Babenhausen No. XXII.
4. Gewaltsamer Einbruch bei Gelnhausen No. CVII
5. Gewaltsamer Einbruch auf der Aumühle hinter Weihers im Fuldischen No. CVIII.
6. Diebstahl zu Gotzenhain im Isenburgischen No. LXXVII.
7. Einbruch zu Alzenau No. LXVI.
8. Fleischdiebstahl auf dem Silberhofe No. CXII.


PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße ; nebst e. Sammlung u. Verdollmetschung mehrerer Wörter aus d. Jenischen oder Gauner-Sprache / von Pfister. - Heidelberg, bei Gottlieb Braun, 1812.