Auf Räubertour im Odenwald

Nach dem Vorbild des Schinderhannes haben sich im Odenwald auch andere Räuberbanden gebildet. Im Wald zwischen Billings und Nonrod, in der Nähe des "spitzen Steins" hatte sich eine Bande eine Höhle als Unterkunft ausgebaut und sich häuslich eingerichtet. Selbst der Ofen fehlte nicht. Von hier aus unternahmen die Räuber ihre Streifzüge in die nähere und weitere Umgebung.

Am 27.4.1802 wurden z.B. Pfarrhaus und Kirche in Neunkirchen geplündert. Dabei wurden der Pfarrer, seine Frau und deren beiden Schwestern schwer misshandelt. Die Räuber hatten die Kirchentür besetzt und die Glockenstränge abgeschnitten, damit nicht "Sturm geläutet" werden konnte. Allen Leuten, die zu Hilfe kommen wollten, wurde mit Totschlag gedroht. Nachdem die Banditen ihre Beute (Geld, Schmuck, den goldenen Kelch in der Kirche und andere Wertgegenstände) in Sicherheit hatten, zogen sie wieder ab. Als sie eines Tages die Bewohner des Schlosses Lichtenberg (Beamte des damaligen Landgerichts) heimsuchten, und dort die Wäsche stahlen, ging man ihnen zu Leibe. Auf Ersuchen der Herrn des Gerichts wurde aus Darmstadt ein Trupp Soldaten in das Fischbachtal beordert, der das Diebesnest ausfindig machte und ausräucherte. Die Mitglieder der Bande, denen man Morde nachweisen könnte, wurden in Darmstadt enthauptet, die übrigen erhielten längere Freiheitsstrafen.


Waldbrunn, die waldreiche Gemeinde im südlichen Odenwald, besteht heute aus den sechs Ortschaften Strümpfelbrunn, Waldkatzenbach, Mülben, Schollbrunn, Oberdielbach, Weisbach und die beiden Weiler Ober- und Unterhöllgrund. Der Naturraum Waldbrunns ist durch eine ausgedehnte Buntsandstein-Hochfläche gekennzeichnet, die von tiefeingeschnittenen Tälern mit herrlichen Bachläufen unterteilt wird. Mit 626 Metern Höhe überragt der Katzenbuckel, höchster Berg des Odenwaldes, die Hochfläche und ermöglicht einen faszinierenden Panoramablick.

200 Jahre zurück - nach der Zerschlagung der rechtsrheinischen Schinderhannesbande finden sich viele Räuber hier im Odenwald wieder zusammen und verstärken die etwa 150 Mitglieder zählende, immer wieder auseinanderlaufende und zusammenfindende Odenwälder Bande. Ihr Anführer - der „Hölzerlips». In dieser Gegend begingen sie viele Straftaten, anfangs oft nur Diebereien, um satt zu werden. Mit der Zeit aber wurden die Überfälle immer schwerer und dreister.

Auch «Schinderhannes» selbst soll zeitweise in der Höhle gehaust haben. Er soll sogar in der Nähe 400 Gulden vergraben habe - gefunden wurden sie aber nie.

Der Raum Mülben, Höllgrund, Reisenbacher Grund und Galmbach war eines dieser Schlupfwinkelgebiete, in dem auch das aufgesuchte imposante Felsenhaus liegt. Die oberirdische Höhle aus Sandsteinquader ist inzwischen eingefallen (oder zerstört). Von hier aus starteten sechs Bandenmitglieder unter Hölzerlips am 28. April 1811 zu einem Raubüberfall an die Bergstraße.